Medienspiegel


Hier finden Sie eine Übersicht zu Berichten in Presse und Rundfunk zum XXX. Deutschen Orientalistentag.

"'Ein säkularer Staat muss her'. Der iranische Theologe Schabestari über Islam und Politik", Interview Elisabeth Kiderlen mit Mohammed Schabestari, Süddeutsche Zeitung, 24.10.07:
In dem auf dem Orientalistentag geführten Interview mit dem iranischen Reformtheologen plädiert dieser für die Möglichkeit, aber auch für die Notwendigkeit einer Veränderung innerhalb des Islam. Schabestari spricht einerseits von einer Neuinterpretation des Korans, den die Muslime "nicht wörtlich nehmen" sollen und spricht sich gleichzeitig für eine klare Trennung von Staat und Religion aus, in der die Religion lediglich Impulse für die Politik gibt. Wirtschaft und Politik sollen vor allem nach Vernunftskritierien, nicht nach der Religion organisiert werden. Schuld an dem bisherigen Scheitern einer solchen Entwicklung innerhalb der Staaten mit einer überwiegend muslimischen Bevölkerung, seien vor allem die Herrschenden solcher Staaten. Schabestari unterscheidet hier dezidiert zwischen den Herrschenden und der Bevölkerung. Er beklagt die "Zerreibung" der "religiösen Intellektuellen" und "Reformer", einerseits zwischen den muslimischen Konservativen, und andererseits zwischen den "westlichen Fundamentlisten".

"Hier kämpft der Sufi: Der Islam ist nicht alles: Erkenntnisse beim Orientalistentag", von Rainer Herrmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.10.2007:
In seinem Resümee über den Orientalistentag berichtet Hermann über den zeitgenössischen Fokus des diesjährigen DOTs: so habe es mehr als 120 Vorträge zu gegenwartsbezogenen Themen gegeben. Hermann beobachtet eine Verkürzung des ehemals weiten Fächerspektrums der Orientalistik auf die Islamwissenschaft und in ihr eine Fokusierung auf den Nahen Osten. Dies gehe auf Kosten von Fächern wie z.B. der Semitistik, der Japanologie und der Sinologie. Gleichzeitig entfernen sich die orientalistischen Fächer zunehmend von der Philologie und entwickeln sich zu Regional- und Kulturwissenschaften. Innerhalb der Islamwissenschaft wird besonderes Augenmerk auf den frühen Islam und seinen Bezug zu aktuellen Problemen gelegt, was auch in dem Vortrag von Patricia Crone deutlich wurde. Der Zeitraum zwischen 800 und 1800 wird zunehmend in eine Randposition gedrängt. Diesen Entwicklungen sieht Hermann in seinem Artikel ein wenig mit Skepsis entgegen: er warnt vor einer "Austrocknung der Grundlagenstudien".

"Welche Vergangenheit – welche Zukunft? Ein Bericht aus Freiburg", von Imran Schröter, Islamische Zeitung, 4.10.2007:
Der Artikel gibt eine kurze Zusammenfassung des Orientalistentages wieder und geht hier besonders auf den Vortrag von Abdul Jalil Steffen Stelzer über den "Nutzen und Nachteil des Sufismus" für die Orientalistik ein.

"Der Orient: Kultur oder Problemkomplex? Der 30. Deutsche Orientalistentag", von Elisabeth Kiderlen, Neue Zürcher Zeitung, 2.10.07:
Auch Elisabeth Kiderlen schreibt in ihrem Artikel über die neue Bedeutung, die den ehemaligen Orchideenfächern der Orientalistik, vor allem der Islamwissenschaft im Zuge aktueller politischer Entwicklungen zukommt. Kiderlen berichtet über die Vorträge von Muhammad Shabestari und Abdullahi an-Na'im, die beide der Frage nachgingen, inwiefern und ob der Islam in eine säkulare Ordnung passt, eine Frage, die auch auf vielen anderen Panels, in Diskussionen und Vorträgen auch und gerade von Nachwuchswissenschaftlern auf dem DOT gestellt wurde. Leise Kritik an dieser Zentrierung auf aktuelle Problemlagen lässt Kiderlen aber dennoch am Ende ihres Artikels anklingen.

"Elastischer Islam: Der Orientalistentag diskutiert über moderne Koran-Interpretationen - und über Forscher in Talkshows", von Andrea Dernbach, Der Tagesspiegel, 1.10.07:
Andrea Dernbach berichtet über den Wandel der Islamwissenschaft, wie sie sich auf dem Orientalistentag präsentierte. Dernbach berichtet über die Vorträge von Patricia Crone und Muhammad Schabestari, die beide über eine mögliche Vereinbarkeit von Islam und westlicher Moderne referierten, sowie über die Podiumsdiskussion "Islamwissenschaft - woher, wohin?", auf der über die Zukunft der Islamwissenschaft diskutiert wurde.

"Deutscher Orientalistentag: Wider die Stereotypen", von Mona Sarkis, Qantara: Dialog mit der islamischen Welt [ohne Datum]:
Gemischte, aber insgesamt positive Eindrücke vom 30. Deutschen Orientalistentag.

"Religionsfreiheit im Islam", Blog von Zeit-Journalist Jörg Lau, 1.10.07:
Jörg Lau schreibt hier in seinem Blog über den Festvortrag von Patricia Crone über "Islam and Religious Freedom" auf dem Orientalistentag; es folgen mehrere Dutzend Einträge von Lesern.

"Orchideen auf der Weltbühne", von Sigrun Rehm, Der Sonntag im Breisgau, 30.9.2007:
Sigrun Rehm schreibt über die neue Bedeutung, die die Islamwissenschaft im Zuge neuer politischer Entwicklungen in den letzten Jahren erhalten hat. Neben neuen inhaltlichen Schwerpunkten und kritischerer Selbstreflexion, berichtet Rehm vor allem von neuen Möglichkeiten für Islamwissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt, in Bereichen wie Verfassungsschutz und Kriminalämtern, tätig zu werden.

"Der Stempel 'Muslim' gilt als problematisch: Betonung der Religionszugehörigkeit schafft offenbar mehr Schwierigkeiten als es ausräumt. Wissenschaftler tagen in Freiburg", von Claudia Utermann, Wiesbadener Kurier / Main-Taunus-Kurier / Hessische Allgemeine / Niedersächsische Allgemeine, 29.9.2007:
Anläßlich der "Islamkonferenz" weist der Beitrag darauf hin, dass die Betonung der Religionszugehörigkeit von Migranten mehr Probleme schafft als löst.

"Von Bin Laden wachgeküsst: Der XXX. Deutsche Orientalistentag in Freiburg präsentiert eine fröhliche Wissenschaft", von Stefan Weidner, Süddeutsche Zeitung, 29.9.07:
In seinem Bericht vom Orientalistentag bedauert Stefan Weidner, dass die Politaktualität in diesem Fach so sehr in den Vordergrund gerückt ist - und damit die Stärken des Kulturraums Orient selbst von Experten nicht mehr gesehen werden: "Der Blick auf den Orient nicht als erhaltenswerten und der Vermittlung würdigen Kulturraum, sondern als großer Problemfall, könnte sich als das größte Dilemma erweisen. Eine akademische Blindheit greift gegenüber der Tatsache um sich, dass es noch andere kulturelle Werte, Lebensentwürfe und Weltdeutungen gibt als die im Westen in den letzten paar Jahrzehnten entwickelten."

"'Auch im Islam ist Demokratie möglich': Wissenschaftler argumentieren gegen Zerrbilder von einer totalitären Religion", von Heiner Hiltermann, Basler Zeitung, 29.9.2007:
In seinem Artikel schreibt Hiltermann über Diskussionen auf dem DOT, die dem in den deutschen Medien vermittelten stereotypisierten Bild über den Islam entgegenstehen. Er berichtet hier über den Vortrag von Shabestari und an-Na'im, sowie über die Podiumsdiskussionen auf dem Orientalistentag.

"Debatte: 'Integration wird nicht gefördert'. Problematischer Stempel 'Muslim'", Islamische Zeitung, 28.9.2007:
[Der Beitrag beruht im wesentlichen auf einer dpa-Meldung vom selben Tage]
Der Beitrag gibt eine Zusammenfassung der auf dem Orientalistentag vorgetragenen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zum Thema Integration von Muslimen in Deutschland wieder.

Bericht der Deutschen Welle Online auf Persisch über den Orientalistentag, 28.9.2007:
In diesem Artikel schreibt Keivandokht Ghahari über den Vortrag von Mohammad Schabestari, sowie über den letzten Teil der Sektion Iranistik, der am Freitag vormittag stattfand.

"Die neuen Welterklärer? Wie sich das Selbstverständnis der Orientalisten verändert hat", SWR2-Form, 27.9.2007
[Wortlaut der Meldung auf den Seiten des Südwestrundfunks:]
"Arabistik, Islamkunde, Islamwissenschaft oder Islamismusforschung: Die unterschiedliche Terminologie für das Fach Orientalistik, das an 25 deutschen Universitäten gelehrt wird, spiegelt das gewandelte Selbstverständnis dieser Wissenschaft wieder. Das Studium von Sprache, Religion und Kultur des Vorderen Orients wurde lange als "Orchideenfach" abqualifiziert. Nach den Anschlägen vom 11. September hat sich das geändert. Orientalisten werden von Geheimdiensten angestellt oder verdienen gutes Geld als Berater von Politik und Wirtschaft. Eine breite Öffentlichkeit verlangt von der Wissenschaft: Aufklärung über die Religionsgeschichte des Kopftuchs, eine Erklärung für den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im Irak oder je nach Standpunkt Argumente pro und contra für den EU-Beitritt der Türkei. Die Politisierung ihres Fachs steht im Mittelpunkt des 30. Deutschen Orientalistentags, der vom 24. September bis 28. September in Freiburg stattfindet.
Es diskutieren: Prof. Dr. Stefan Leder, Vorsitzender der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Halle; Dr. Abbas Poya, Islamwissenschaft, Universität Freiburg; Stefan Weidner, Übersetzer arabischer Lyrik und Autor, Köln; Gesprächsleitung: Werner Witt"
Sendetermin: 27.09.2007, 22.15 Uhr und 1.10.2007, 11.05 Uhr, SWR2 Forum, SWR cont.ra

"Religion erklärt nicht alles", von Constanze Frey, Badische Zeitung, 27.9.2007:
Constanze Frey fasst die auf dem Orientalistentag stattgefundene Podiumsdiskussion über Konflikte in Asien und Afrika zusammen, in der vor allem die Frage nach den Ursachen der Konflikte und ihrer möglichen Verbindung zur Religion im Vordergrund stand. Die diskutierenden Wissenschaftler und Politiker sprachen sich für eine gründliche Analyse eines jeden einzelnen Konfliktes und seiner spezifischen Problematiken aus. Tendenzen der Politik des Westens in aktuellen Krisenregionen wie Somalia, Irak und Afghanistan sowie die Entwicklung des Islams als politische Ideologie in diesen Regionen wurden diskutiert.

"'Der Koran gibt nur die Richtung vor': Warum die islamische Scharia nach Meinung des Theologen Mohammad Schabestari nicht wörtlich zu nehmen ist", Interview Stefan Hupka und Annemarie Rösch mit Mohammad Schabestari, Badische Zeitung, 27.9.2007:
Die Journalisten der Badischen Zeitung sprachen mit dem iranischen Reformtheologen Mohammad Schabestari, Gast des Orientalistentages, über Demokratie und Toleranz, und deren mögliche Vereinbarkeit mit dem Islam, vor allem in Hinblick auf die Scharia. In dem Interview spricht sich Schabestari einerseits eindeutig für eine Reform und Historisierung der Scharia im Sinne der Gerechtigkeit aus und verurteilt damit religiös totalitäre Regime in der gegenwärtigen islamischen Welt. Andererseits kritisiert Schabestari grobe Vereinfachungen und Stereotypisierungen über den Islam und die Muslime von Seiten des Westens. Er fühle sich, wie andere Intellektuelle in der islamischen Welt "unter Druck von zwei Seiten" - von Seiten der eigenen Regierungen sowie von Seiten "westlicher Fundamentalisten". Aus diesem Grund sehe er der Zukunft mit "Angst" entgegen.

Bericht der Deutschen Welle Online auf Persisch über den Orientalistentag, 27.9.2007:
Keivandokht Ghahari schreibt in ihrem persischen Artikel über die Zukunft der Orientalistik sowie über die Vorträge der Sektion Iranistik auf dem Orientalistentag.

"Experte: 'Kein Geld für Islamunterricht'", Stuttgarter Nachrichten, 26.9.2007:
[Der Beitrag beruht auf einer dpa-Meldung vom selben Tage]
Die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts in Deutschland scheitert nach Ansicht von Wissenschaftlern derzeit vor allem am Geld. "Wir haben etwa 750.000 muslimische Schüler in Deutschland, aber nur rund 150 Lehrer für sie", erläuterte am Dienstag Michael Kiefer, der beim Orientalistentag in Freiburg eine Expertenrunde zum islamischen Religionsunterricht leitete. Nötig seien allerdings mindestens 1500 Lehrerstellen. Die Teilnehmer kritisierten außerdem, dass es nach wie vor bei Politikern und Behörden große Vorbehalte und nur wenig Kenntnisse für einen solchen Religionsunterricht gebe.

"Kaum Lehrstellen. Zu wenig Geld für Islam-Unterricht", Hamburger Abendblatt, 26.9.2007:
[Zum Inhalt siehe oben den Bericht der Stuttgarter Nachrichten]

"Angst vor dem Islam? 1000 Orientalisten tagen in Freiburg", Interview mit Maurus Reinkowski, Deutschlandradio, 25.9.2007:
Der Mitorganisator des Orientalistentags, Maurus Reinkowski, äußert sich über die Bedeutung der Islamwissenschaft.

"'Nun wird mit Muslimen geforscht, nicht nur über sie': Die Islamwissenschaft wendet sich verstärkt aktuellen Fragen zu - Gespräch mit Ludwig Ammann zum dreißigsten Orientalistentag", Interview von Sibylle Thelen mit Ludwig Ammann, Stuttgarter Zeitung, 25.9.2007:
Der Freiburger Publizist spricht über die neue Bedeutung der Islamwissenschaft.

"Deutscher Orientalistentag eröffnet", Nachricht des SWR, 25.9.2007
Eine kurze Zusammenfassung der Eröffnung des Orientalistentages.

"Islam im Fokus der Wissenschaft: Orientalistentag in Freiburg", Stuttgarter Nachrichten, 25.9.2007
Beitrag berichtet über Eröffnung des Orientalistentags und zitiert aus den Beiträgen von Stefan Leder, Erster Vorsitzender der DMG, und von Patricia Crone (Princeton).

"Wissenschaft gegen Eiferer: Orientalistentag eröffnet", Badische Zeitung, 25.9.2007:
[Beruht auf einer dpa-Meldung. Es folgt der Wortlaut des Beitrags:]
In Freiburg ist gestern der 30. Deutsche Orientalistentag eröffnet worden. Die Islamwissenschaft muss gegen "Eiferer und Vereinfacher im eigenen Land und gegen Muslime verteidigt" werden, betonte der Vorsitzende der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Professor Stefan Leder, zu Beginn des fünftägigen Treffens. Rund 1000 Wissenschaftler wollen sich unter anderem über Reformprozesse im Nahen und Mittleren Osten, Muslime in Europa oder über den Hinduismus in Südostasien austauschen. Der alle drei Jahre veranstaltete Kongress steht unter dem Motto Orientalistik im 21. Jahrhundert. "Gegenwärtig, unter den Bedingungen eines Wettbewerbs zwischen den Amokläufern des Terrors und der Terrorbekämpfung, kommt der Islamwissenschaft eine geradezu überwältigende Aufmerksamkeit zu", sagte Leder weiter. Doch es werde übersehen, dass das Fach "keine Interessenvertretung der Muslime in Deutschland" sei. Wichtig sei vielmehr ein wissenschaftlicher Zugang zum Islam, "jenseits von Vorurteilen und Glauben". Derzeit würde das Fach zwar einerseits herausgefordert und könne Potenziale entwickeln, andererseits werden aber Grundlagenforschung und das Erschließen neuer Materialien durch die gegenwärtige Hochschulpolitik ausgetrocknet. Die Deutsche Morgenländische Gesellschaft gilt als bedeutendste wissenschaftliche Vereinigung der Orientalisten in der Bundesrepublik.

Interview mit Maurus Reinkowski, SWR 2, 24.9.2007:
Maurus Reinkowski, Mitorganisator des Orientalistentags, spricht über neue Erwartungen an die Orientalistik im Zuge aktueller gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen und dementsprechende Veränderungen im Rollenverständnis des Faches. Er weist hierbei auf die neuen Möglichkeiten, aber auch auf die Grenzen der Orientalistik hin, diesen Erwartungen gerecht zu werden.

"Orientalistentag", Blog von Zeit-Journalist Jörg Lau, 23.9.2007:
Der Zeit-Journalist Jörg Lau schreibt in seinem Blog über den Orientalistentag. Außerdem gibt es Kommentare und Anmerkungen von Lesern.

"Öffentliche Abendvorträge: Orientalistentag in Freiburg",Badische Zeitung, 21.9.2007
Die Kurzmeldung stellt die öffentlichen Abendvorträge des Orientalistentags vor.

"Orientalistentag: Der Islam darf nicht als Bedrohungsszenario gelten", Deutsche Presseagentur, 20.9.2007:
In dem Interview kritisiert Maurus Reinkowski die in unserer Gesellschaft weit verbreitete Wahrnehmung des Islam und der Muslime als homogene Entität, die unserer Gesellschaft als Bedrohung gegenübersteht. Er übt hier auch Selbstkritik an seinem eigenem Fach, das erst lernen muss, den Islam als integrativen Teil unserer eigenen Gesellschaft zu verstehen.

"Die Kriegsgewinnler", von Ludwig Ammann, Badische Zeitung, 15.9.2007:
Der Freiburger Publizist schreibt über den derzeitigen Wendepunkt der orientalistischen Fächer. Vor allem der Islamwissenschaft kommt aufgrund der politischen Entwicklungen in den letzten 30 Jahren eine entscheidende neue Rolle zu. Es ist diese Wende, auf die sich das Motto des Orientalistentages „Orientalistik im 21. Jahrhundert: Welche Vergangenheit – Welche Zukunft?“ bezieht. Die neue Bedeutung der Islamwissenschaft, die von den Vertretern dieses Faches nun auch zunehmend Stellungnahmen zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen erfordert, lässt aber auch alte Problemstellungen der Orientalistik wieder in neuem, aktualisiertem Licht erscheinen: der von Edward Said geprägte Begriff des „Orientalismus“, eine „Fundamentalkritik am orientalistischen Diskurs“ und seiner Wahrnehmung des anderen, wird zu einer Falle, in die heutzutage weniger die Islamwissenschaftler selber als vor allem fachfremde Publizisten gerne hineinfallen, die den Islam, die islamischen Länder und 1,3 Milliarden Muslime in den Debatten als homogene, geschichtslose, antipodische Einheit darstellen. Für Ludwig Ammann liegt die Wende der Orientalistik hingegen vor allem in der zunehmenden Annäherung von Fach und Gegenstand: der Orient ist infolge von Globalisierung und Migration längst nicht mehr ein entfernter fremder Kosmos, sondern ein bedeutender Teil der eigenen Welt geworden, ein Umstand, dem nicht nur das Motto, sondern auch das Programm des Orientalistentages und damit die Orientalistik im 21. Jahrhundert gerecht zu werden versucht.


Letzte Änderung: 30.11.2007 um 10:09 von Mariella Ourghi